WERNER LIEBMANN




Das Bild ist ein Nebenprodukt.

Dies ist ein verborgener Text der nur dafür da ist, das drei Spalten dargestellt werden drin lassen Wahrscheinlich muss ich hier sogar noch bisschen schreiben, damit es auch ausreicht

Es entsteht als Klärungsversuch gegenüber zusammenhanglos erscheinenden Beobachtungen. Damit daraus kein Buch, keine wissenschaftliche Veröffentlichung, sondern ein Bild wird, ist neben einer gewissen motorischen Begabung die Unfähigkeit zur Versachlichung nötig. An die Stelle der Analyse tritt der Versuch, die Variation von Material, Farbe, Zeichen und Form. Das Problem besteht in der Unbekanntheit von Ziel, Weg und Art der zur Lösung führenden Äußerung. Der gute Rat, doch dem Instinkt zu folgen führt in die Sackgasse des „Ich“. Wenn man jedoch die Beobachtungen vergleicht, in bekannte und unbekannte Zusammenhänge projiziert, Anschauungshorizonte verschiebt und sich nicht scheut, gänzlich neue Zusammenhänge zu konstruieren, besteht die Möglichkeit, Unverstandenes zu begreifen. Ziel des Malens und Sinn des Bildes ist die Erkenntnis. Mit ihr erreicht das Bild seinen Zweck, es kann beendet werden und wird (für den Künstler) überflüssig. Das Bild ist nun ein Dokument, das mit seinen Spuren auf eine Zeit verweist und durch Art des Farbauftrags sowie die Fähigkeit der Raumbeherrschung über eine Person Auskunft zu geben vermag.

Und dann übernimmt die Maschine


Eigentlich wollte ich einen wichtigen Text schreiben. Es ging mir darum, abzuleiten dass Kunst das Medium ist, mit dem der Mensch von je her sein Verhältnis zu Gott definiert. Eine Beweiskette, die von den ersten gefundenen Felszeichnungen über die Konstellation der Pyramiden des alten Ägypten bis zur sakralen Kunst des Mittelalters reichte, sollte das belegen. Dann wollte ich zeigen, wie ab der Renaissance die Wissenschaft die Klärung des Gottesbegriffes übernimmt und sich die nun "freie Kunst" der Wissenschaft nähert. Vergebliche Versuche des Futurismus und Kubismus, es mit einem Filmvorführgerät aufzunehmen sollten in der Frage gipfeln, ob die Kunst nach der Renaissance ausschließlich auf die Erweiterung unserer Wahrnehmung zielte. Ich war versucht, darzulegen, dass die Frage nach Gott heute von der Wissenschaft beantwortet wird und im direkten Schluss unterstellen, dass dann heute Wissenschaft Kunst ist. Ich hätte von Berechnungen gesprochen, wonach im Jahre 2010 der Computer das Menschliche Gehirn (inklusive seiner Fähigkeit zu fühlen) ersetzen kann und wollte fragen, ob dieses „Gerät" in 235 Milliarden Jahren (vorausgesagtes Ende der Galaxis) neben dem Fortbestand des Denkens auch den Fortbestand der Kultur, der Kunst und des Lebens sichern könnte. Wenn das mit Gott von der Wissenschaft übernommen wird, die Avantgarde Technik- abhängig geworden ist und der Mensch sich nicht mehr als das letzte Glied der darwinschen Entwicklungskette fühlen kann, wie sieht dann seine Kunst aus? Ich habe den Text dann nicht geschrieben und mich durch Malen vor der Beantwortung der Frage gedrückt. Dafür bitte ich um Nachsicht.