WERNER LIEBMANN




Text für Grafikmappe "Ein Blatt im Wind"herausgegeben von Edition Brusberg 1993

Dies ist ein verborgener Text der nur dafür da ist, das drei Spalten dargestellt werden drin lassen Wahrscheinlich muss ich hier sogar noch bisschen schreiben, damit es auch ausreicht

Der Text ist handschriftlich als Lithografie (Blatt 0) in der Grafikmappe "Ein Blatt im Wind" (1993 von der Galerie Brusberg herausgegeben) enthalten.


#1 Da steht er nun, da ist er ja, der Bub, der Herr, ei trallala.-

Das was nun folgt hat er getan - um ihn herum ist nichts.

#2 Hier dreht sich mit der schönen Welt, der beste aller Sterne. Der Herr von Oben (von Blatt 1), der hat sie richtig gerne.

Wird IHM doch schließlich nachgesagt, dass er sie selber machte, am Tag - gleich nach der Dunkelheit - wobei es mächtig krachte.

Da behauptet mancher wirre Kopf, den Knall als Beginn der Geschichte - und das außer Nacht und ein bisschen Wind nichts dagewesen sei, was richte.

Der Körper - von dem aus wir alles sehn - braucht als Übergangsform wohl das Leben; er gebirt den Verstand und entwirft das GERÄT, um diesem das Denken zu geben.

Das Wissen darum gebirt einen Schrei, nach erbarmen blabbert das Klagen: "Oh Herr, das Du der Schöpfer seist, heut wie an allen Tagen“.

#3 Der Herr indes „schöpft“ ungerührt, gemessen und ohne Eile, sein zweites Ich, sein Spiegelbild, aus Ehrgeiz und Langeweile.

Er will partout den tollen Satz: „Seid fruchtbar und mehret Euch“ sagen, das heißt aber auch - das wird Ihm jetzt klar - eine Neukonstruktion zu wagen.

Was andres als "Ich" und trotzdem echt: als Original nur die Rippe; so formt er den Leib und nennt ihn: "das Weib", mit freudig zitternder Lippe.

Du siehst es hier - wie er sich‘s gedacht - das Weib mit den lieben Tieren [Bl.3]. Doch als die Arbeit dann vollbracht, muß er sich revidieren.

Schäfchen sind´s, man sieht es nun, so fromm und auch so niedlich.

Als er bemerkt: Da ist eins schwarz, ballt der Schreck im Halse den Kloß. Und als er ruft: So war´s nicht gemeint, brach längst das Gezeter los.

Es ging um Glauben, höheren Sinn und natürlich um die Rechte. Dann bläht die Botschaft den den Mutterschoß: "Eins werde Herr und Knechte."

#4 Dann geht´s wie im Gesangsverein: Schafft Völker gegen die Leere, in einer Samstagabend-Nacht entstehen ganze Heere.

Die sind sich alle völlig gleich, von einheitlichem Wesen; nur außen sehn sie anders aus, wie´s schon beim Schaf gewesen.

#5 Der Gleichschritt stampft das karge Gras! Es hat ein Marsch begonnen! Wie Schierling füllt das volle Glas das Denken der Kolonnen.

Heil, Sieg, und Holliadrio, mit von Wahrheit brabbelnden Lippen,
gepeitscht vom Geruch der Mutter Schoß,
rollen die dürstenden Horden los, um sich für den zu schlagen, den sie als Einzigen erkannt,
und UN-Heil plagt den Magen.

Und wenn die Nacht die Gedanken spaltet,
wenn Angst die Gedärme belüftet,
zieht Wehmut ein ins große Herz, von schmerzvollen Wunden zerklüftet.

Bald liegt die Hoffnung im Chorgesang;
in der pickelgekrönten Haube:
Einheitsdrang macht den finstersten Specht zur friedens-lieb-weißlichen Taube.

Refrain: So sei´s denn, dass ich den Tumben zwing, zu denken, was ich glaube.

#6 Doch das Gewirr im Glaubenskampf lässt den Zweck allen Schreitens vergessen!
Bald schmerzt das Knie, dann knurrt der Bauch; die Gedärme verlangen nach Fressen.

Was hungrig beieinander steht, hat das Denken zum Unsinn geballt!
Man findet jedes Gleichmaß schön: Ein Heer, wie die Bäume im Wald.

So stehn sie jetzt in Reih und Glied, geordnet zu weiterem Marsch;
sie wollen Bewegung, man glaubt an den Sieg und man weiß, dass er kommt: der Krieg.

Es folgt eine Schlacht nach den Regeln der Kunst,
ein Gemetzel der hohen Schule.

Mit Stich in´s Herz und Schlag auf´s Kinn und dem Blutfleck auf weißem Stuhle.

Nimm mit was Du kannst, ist alles jetzt Dein, nun weißt Du: Dein Gott war der Rechte!

Und sollte in dir noch ein Zweifel sein, beweis dass Du Herr bist und knechte.

#7 Nimm das Fette, das Weiße, vergiß nicht den Talg, nimm Erz und die scharfe Schere!
Trag zusammen die Insignien der Macht und verlass dann die düstere Leere!

Der Ballen aus Wissen und Erz und Macht knackt berstend von Energie.
Ein Schrei entlädt sich in die feuchtgrüne Nacht, doch ein Echo gibt es nie.

Auch kommt keine Hilfe vom fremden Gott, kein „ANTI“ kann Ausgleich erreichen:
Du bist nun der Herr, alles ist Dein; nur von dir kann es kommen, das Zeichen.

Schon braust der Sturm auf, mit berstender Kraft.
Ein Blitz knallt auf silbrige Fläche.

Das Tier legt sich nieder zu ewigem Schrei und Du weißt, bald ist alles vorbei.

Nur Schweben bleibt im leeren Raum,
kein Zusammenhang lässt sich mehr finden.

Kein Sinn fügt das Blatt an den leeren Baum und nichts ist zu überwinden.

Wir sehen zu, seit dem ersten Blatt und hatten nichts weiter zu tun.
Was weiß ich denn, wie es weitergeht? Wir sind bei der Frage: "was nun"?

#8 Es weht ein Blatt im Wind.