WERNER LIEBMANN




Christoph Tannert in: 1986 Atelier II. Junge Künstler des Bezirkes Halle

Dies ist ein verborgener Text der nur dafür da ist, das drei Spalten dargestellt werden drin lassen Wahrscheinlich muss ich hier sogar noch bisschen schreiben, damit es auch ausreicht

Mutig, vielleicht sogar ein wenig zu forsch bei der Vergabe von Antworten - könnte einer sagen, der beim Nachdenken über den 35jährigen und seine Bilder den Einstig über die der Öffentlichkeit zur Kenntnis gegebenen Statements genommen hat.

Liebmann ist des Wortes mächtig, keine Frage. Nach wie vor bleibt jedoch der Anspruch, mittels des Bildvortrags in Geschehnisse einzugreifen, in die der Stil- wie der Zeitfragen. Die vor ihm ihre Spur gezogen haben, gibt er vor, sich gern zu bestellen, damit er sich an ihnen reibe.
Die Verabschiedung von Beckmann erfolgte, dafür hat er sich aber mit den schweren Schuhen von Heisig schon manch eigene Saat zertreten.

Des Meisters Gängelband verknotete er zu einem Suspensorium. Jede Fahr mit dem Karussell lässt ihn nun nach Luft schnappen und die Träume hallen wider vom Flügelklatschen abdriftender Himmelsstürmer. Doch der Pinsel geht erneut fremd - über «Die Brücke» diesmal.
Warum sich die abgelegte Hand unterhalb des Leibes, einige Feuerbälle gezündet. Nun gilt es, dem Augenkleister heimzuleuchten. Das könnte durchaus auf einem «Sonntagsspaziergang» passieren, wenn unverhofft «Straßenbahn» und «Fliegender Teppich» miteinander kollidieren. Schöne Bescherung! Rückweg abgeschnitten, Ausweg verbaut.

Mittels Farbe versucht Liebmann seit geraumer Zeit, die Perspektive seines Interesses zu verschieben. Noch ist die Unternehmung nicht abgeschlossen. Figurenballungen und Flächenverschränkungen, ursprünglich in der Bildmitte organisiert, werden auseinandergeschwemmt und sickern, gleichmäßig übers Format verteilt, in leuchtender Farbpalette ab. Ein Neben- und Hintereinander von Umrissfiguren, zuerst in klarer und dominanter Räumlichkeit, wird aufgebrochen zugunsten einer, ein bisschen versteck-spielenden Farbsprache. Gut so, soll er sich ruhig suchen lassen!

Von der Diplomzeit bis etwa November 1985 goß Liebmann Inhalte in Farbe. Nun rückt er mehr und mehr vom Erzählerischen und Symbolischen ab und komponiert sich einen Farbdschungel, der Welt weniger über des Künstlers Kopf als durch dessen Bauch verschlingt. Was vom Keilrahmengeviert gehalten wird und zur Rezeption ausliegt, ist in erster Linie ein Stück Freiheit, das Liebmann erworben hat hinter der selbstgesteckten Wendemarke - die Freiheit, vom Material geführt worden zu sein.
Farbe presst ihn gegen das Ich. Noch hebt die Innenwelt allerdings nicht, wettert der Pinsel eher nach außen, beschwört Hoffnungsfiguren, schreckt den Schrecken, der vor den eigenen Zäunen lagert.

Dabei hätte Liebmann die Kraft und entsprechendes innovatives Potential, gegen die ewige Symmetrie von Fragen und Antworten den noch ungezeugten Konflikt, die kompromisslosen Behauptungen zu stellen. Warum kann der «Prometheus» von 1983 nicht ein black panther sein, Eisbrecher gen Warmland, zu fühlen sich selbst?

Liebmann hat den Aufbruch zu neuen Strukturen gewagt. Formale Klimmzüge. Jetzt raus mit dem Ich aus der Hosentasche! Zerreißprobe! Die eigenen Angelegenheit über den Rand getrieben.